Der Capability Approach (auf Deutsch: Befähigungsansatz) wurde von Amartya Sen und Martha Nussbaum entwickelt. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei der Begriff der Gerechtigkeit. Es wird davon ausgegangen, dass eine Gesellschaft umso gerechter ist, je mehr Menschen über Verwirklichungschancen verfügen. Der an die aristotelische Ethik anschließende Ansatz eignet sich als normativer Rahmen für die Diskussion über grundlegende soziale (Un-)Gleichheit und (Un-)Gerechtigkeit und ist damit auch für Bildungsfragen interessant.

Der Capability Approach beschäftigt sich damit, wie die verschiedenen Ressourcen, welche Menschen zur Verfügung stehen, beschaffen sein müssen, damit aus Verwirklichungschancen reale Freiheiten werden. Letztlich geht es also um die Handlungsbefähigung von Menschen, die allerdings nicht als intrasubjektive Eigenschaften begriffen werden, sondern immer zusammen mit ihren sozialen Kontextbedingungen gesehen werden. 

Ein wichtiges Element des Ansatzes ist die Unterscheidung zwischen "Functionings" (realisierte Chancen) und "Capabilities" (Verwirklichungschancen). Capabilities können als Möglichkeiten von Menschen verstanden werden, ein Leben führen zu können, für das sie sich mit guten Gründen entscheiden konnten und das die Grundlage des aktiven Strebens nach Zufriedenheit gewährleistet (Nussbaum 2014, 109). Der Unterschied zwischen Functioings und Capabilities wird von Potsi (2018, 243) so beschrieben: "Functionings are people's beings and doings whereas capabilities are the real or effective opportunities to achieve functionings."

Mit der in den zwei Begriffen "Capabilities" und "Functionings" zum Ausdruck kommenden Differenzierung wird der Blick hinter die in der empirischen Bildungsforschung vorrangig fokussierten "Bildungs-Outcomes" eröffnet, da dies die normative Frage ins Licht rückt, ob ein Individuum die Freiheit und auch die Möglichkeit hatte, eine Handlung nach ihren eigenen Wertvorstellungen zu wählen und zu erreichen. Insofern sehen wir den Capability Approach als wichtiges Medium für eine kritische Reflexion von Schule und Unterricht, weil dieser Ansatz in besonderem Maße auf die internalen und externalen Bedingungen, durch welche die Potentiale der Lernenden in reale Möglichkeiten gewendet werden können, hinweist.