Warum ändert sich an der sozialen Ungleichheit im österreichischen Bildungssystem seit Jahrzehnten so wenig – und wie sind die aktuellen Reformvorhaben der Regierung einzuordnen? Zu diesen Fragen war Michael Holzmayer, Hochschulprofessor an der KPH Wien/NÖ im Ö1-Morgenjournal am 14.09. live zu Gast.
Im Zentrum des Gesprächs standen die aktuellen PISA-2025-Ergebnisse und ihre bildungssoziologische Einordnung. Michael Holzmayer verwies auf die anhaltende Kluft zwischen Kindern aus akademischen und aus bildungsfernen Familien:
"Schule ist konservativ. Schule konserviert soziale Unterschiede, statt sie auszugleichen – das hat der französische Soziologe Pierre Bourdieu schon in den 60ern erkannt, und PISA bestätigt es seit 25 Jahren unverändert. In den Naturwissenschaften liegt der Abstand zwischen Kindern aus akademischen und aus bildungsbenachteiligten Familien bei fast 100 Punkten. Übersetzt in Lernjahre heißt das: Ein 15-jähriger benachteiligter Schüler steht dort, wo ein privilegierter Zehnjähriger steht. Das ist kein Randproblem, das ist ein strukturelles Desaster."
Weitere Themen des Interviews waren unter anderem die 6-jährige Volksschule, die gesunkene Lesekompetenz, die neue Deutschförderung sowie die verpflichtende Sommerschule mit Sanktionsmöglichkeit, was Holzmayer als strukturelles statt individuelles Problem einordnete.
Das gesamte Interview ist in der Ö1-Sendungsübersicht nachzuhören:
https://oe1.orf.at/player/20260914/844497/1789362842197 (Link)
Auch im Kurier wurde das Gespräch als Anlass genommen, einen Beitrag zu den Themen des Ö1-Interviews aufzunehmen. Er ist hier zu lesen:
https://kurier.at/politik/inland/schulen-oesterreich-leistungen-pisa-chancengleichheit/403190635 (Link)
