Praxis Religionsunterricht
Siegfried Kröpfel
Alle Schäfchen im Trockenen
Das Weißenbachtal liegt im Nebel. Es ist gerade mal sieben Uhr und ich bin – wie heuer üblich an einem Mittwochmorgen – mit dem Auto nach Bad Ischl unterwegs. Satte fünfzig Kilometer ist die Handelsakademie von meinem Wohnort Vöcklabruck entfernt, was einer knappen Stunde Autofahrt entspricht. Eine Zeit, die ich mir gerne mit Kaffeetrinken und Podcast hören vertreibe. Seit über einem Jahr übernehme ich hier als Fachinspektor die Karenzvertretung für eine Kollegin, weil die Personalressourcen im inneren Salzkammergut erschöpft sind. Die Schule und ihre Belegschaft sind mir vertraut. Vor Jahren schon habe ich hier in Mitverwendung zu meiner Stammschule BRG/BORG Schloss Traunsee unterrichtet. Wie im Pflichtschulbereich ist auch im höheren Schulbereich der Einsatz an mehreren Standorten für evangelische Religionslehrkräfte nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Unterrichtstätigkeit in den vielfach zusammengewürfelten, meist kleinen und geographisch verstreuten Gruppen erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und viel Fingerspitzengefühl in der Kommunikation mit den Schulverwaltungen. Im Gegensatz zu Lehrer:innen anderer Fächer müssen sich Religionslehrkräfte in weiten Teilen selbst darum kümmern, dass sie im Anschluss an die heiße Phase der ersten beiden Schulwochen alle Schäfchen im Trockenen haben und mit genügend Stunden versorgt sind.
Als Angehöriger einer Minderheitskirche bin ich an der HAK Bad Ischl insofern privilegiert, als meine fünf Vertretungsstunden vormittags im Regelstundenplan Platz finden und alle Gruppen, obwohl sie nur aus drei bis sechs Leuten bestehen, jahrgangshomogen geführt werden können. Wenn auch der Lehrplan für die Sekundarstufe II das so vorsieht, entspricht dies längst nicht mehr der Realität. Möglich ist dies in Bad Ischl nur, weil die (evangelische) Direktorin und der Administrator dem Religionsunterricht gegenüber positiv eingestellt sind und das Engagement der Religionslehrkräfte wertschätzen. Im Salzkammergut ist gut sein, hier scheint die Welt noch in Ordnung. … (die Fortsetzung dieses Beitrages und viele weitere Beiträge finden Sie im Heft).
