Publikation zu Schulentwicklungsberatung

Am diesjährigen Tag der Forschung an der PH Wien präsentierten Roland Bernhard, Michaela Waldherr und Peter Eckel von der KPH Wien/NÖ Ergebnisse aus einem KPH-Forschungsprojekt zur Schulentwicklungsberatung (SEB). Nun ist die vollständige wissenschaftliche Publikation unter dem Titel „Erwartungen an und wahrgenommene Wirkungen von Schulentwicklungsberatung – Perspektiven von schulischen Führungskräften“ in der Zeitschrift R&E Source erschienen. Der Beitrag wirft ein differenziertes Licht auf die Perspektiven schulischer Führungskräfte auf SEB und liefert Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieses zentralen Instruments schulischer Qualitätsentwicklung.

 

© Roland Bernhard

Schulentwicklungsberatung als strategisches Unterstützungsformat
Schulentwicklungsberatung ist ein bedeutender Bestandteil der Unterstützungslandschaft für Schulen in Österreich. Ziel ist es, Schulen als lernende Organisationen in ihrer eigenverantwortlichen Weiterentwicklung zu begleiten. An der KPH Wien/NÖ  ist Schulentwicklungsberatung seit über einem Jahrzehnt fest verankert: Jährlich werden rund 50 Schulen unterschiedlicher Schularten in Wien und Niederösterreich durch erfahrene Beraterinnen und Berater unterstützt.

Trotz der zunehmenden Bedeutung dieses Feldes war die empirische Forschung zu SEB in Österreich bislang noch wenig ausdifferenziert. Das an der KPH Wien/NÖ durchgeführte SEBPH-Forschungsprojekt (2021–2024) schließt hier eine Lücke und brachte explorative Einsichten. Es untersuchte die Erwartungen von Schulleitungen an Schulentwicklungsberatung sowie deren wahrgenommene Wirkungen. Die aktuelle Veröffentlichung stellt zentrale qualitative Ergebnisse aus Fokusgruppendiskussionen und Interviews vor.
 

Vier zentrale Erkenntnisse
Aus den Analysen lassen sich vier zentrale Einsichten ableiten:
1. Fachliche Expertise wird erwartet – nicht nur Prozessbegleitung
Schulische Führungskräfte fordern von Schulentwicklungsberatung fundierte, praxisnahe Impulse. Methoden ohne Substanz – was etwa oberflächliche “Flipchart-Seminare” genannt wird – werden kritisch gesehen. Gefragt ist eine Kombination aus Fach- und Prozessberatung, wie sie im Modell der integrierten Beratung beschrieben wird. Besonders gewünscht werden Themen wie kollegiale Hospitation, Unterrichtsentwicklung, Digitalisierung, Kommunikation und Supervision. Schulen wollen „Hard Facts“, evidenzbasierte Inputs und konkrete Werkzeuge zur Weiterentwicklung.
2. Der externe Blick wirkt klärend und strukturierend
Ein häufig genannter Mehrwert von SEB ist der professionelle Blick von außen. Dieser ermögliche es, „betriebsinterne Blindheiten“ zu durchbrechen und neue Perspektiven auf Routinen und Herausforderungen im Schulalltag zu gewinnen. Beratungsprozesse bieten dabei nicht nur fachliche Orientierung, sondern wirken auch emotional entlastend und motivationsfördernd.
3. Freiwilligkeit als Schlüssel zur Wirkung
Die Wirksamkeit von SEB hängt laut den befragten Führungskräften stark vom Grad der Freiwilligkeit ab. Verordnete Beratung – etwa im Zuge von Programmen wie Grundkompetenzen absichern – stößt oft auf Widerstände. Demgegenüber sind freiwillige und bedarfsorientierte Prozesse von höherer Akzeptanz geprägt und zeigen nachhaltigere Wirkungen.
4. Auftragsklärung als Erfolgsfaktor
Ein zentrales Thema der Studie ist die Bedeutung einer klaren und strukturierten Auftragsklärung zu Beginn eines Beratungsprozesses. Nur wenn Ziele, Erwartungen und Verantwortlichkeiten im Vorfeld abgestimmt werden, kann SEB zielgerichtet wirken. So wird in der Publikation für die stärkere Nutzung von Tools wie Checklisten oder Evaluationsleitfäden plädiert, die im Rahmen des SEBPH-Projekts entwickelt wurden.
Wahrgenommene Wirkungen: Organisation und Personal profitieren – Unterrichtsentwicklung im Schatten
Die qualitative Studie zeigt, dass SEB insbesondere in den Bereichen Organisations- und Personalentwicklung als wirkungsvoll erlebt wird: Strukturen werden geklärt, Verantwortlichkeiten geschärft, Prozesse priorisiert. Schulentwicklungsberaterinnen und - berater helfen dabei, komplexe Anforderungen – etwa durch das Qualitätsmanagementsystem QMS – in handhabbare Schritte zu übersetzen.
Im Bereich der Unterrichtsentwicklung hingegen wurden weniger Wirkungen wahrgenommen. Dies steht im Einklang mit früheren Studien und verweist auf einen zentralen Entwicklungsbedarf. Die Autor/innen fordern daher eine stärkere Ausrichtung von SEB auf die Verbesserung des Unterrichts, etwa durch Formate wie kollegiale Hospitation. Aktuelle Ergebnisse aus dem FWF-Projekt School Quality and Teacher Education zeigen, dass genau solche Maßnahmen messbar positive Effekte auf die Lernfortschritte von Schülerinnen haben.
Ausblick: Mehr Forschung zur Wirksamkeit von Beratung
In der Publikation wird eine Anschlussstudie angekündigt, die sich noch gezielter mit der Frage der Wirksamkeit von Schulentwicklungsberatung beschäftigen wird. Dabei kommt das Modell „interaktionaler Veränderungsprozesse“ von Seiler (2018) zum Einsatz, das Wirkfaktoren in beratenden Kontexten systematisch abbildet. Ziel ist es, die tatsächlichen Veränderungswirkungen von SEB genauer zu erfassen und evidenzbasierte Kriterien für erfolgreiche Beratung abzuleiten.
Bedeutung für die KPH Wien/NÖ
Das Projekt und die nun veröffentlichte Publikation zeigen, wie die KPH Wien/NÖ forschungsbasiert zur Weiterentwicklung schulischer Qualität beiträgt. Die Erkenntnisse fließen in die Konzeption und Umsetzung von Schulentwicklungsberatung durch das Zentrum Schulentwicklung ein. Damit leistet die Hochschule einen zentralen Beitrag zur Professionalisierung schulischer Unterstützungsangebote in Österreich.


Publikation:
Bernhard, R., Waldherr, M., & Eckel, P. (2025). Erwartungen an und wahrgenommene Wirkungen von Schulentwicklungsberatung: Perspektiven von schulischen Führungskräften. (2025). R&E-SOURCE, 12(3), 488–511. https://doi.org/10.53349/re-source.2025.i3.a1458
 

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