GruKo – Fünf Jahre später

Unsere Erkenntnisse aus dem Projekt "Grundkompetenzen absichern" des BMBWF

© KPH, JoGa

Im Oktober 2017 trafen sich nahezu zeitgleich in Niederösterreich und Salzburg an die 300 Personen aus pädagogischen Hochschulen und Schulpsychologie zum ersten GruKo-Vernetzungsworkshop multiprofessioneller Teams (MPT). Aufregung war vorprogrammiert. Das Unverständnis aufgrund der Vorgehensweise und missglückten Kommunikation des Ministeriums machte es den Projektverantwortlichen schwer, Grundgedanken, Ziele und Umsetzungsschritte zu vermitteln. Noch heute erinnern sich Schulentwicklungsberater:innen, Expert:innen und Schulpsycholog:innen an die Szenarien: Es war ein Projekt, das mit dem ersten Atemzug zum Scheitern verurteilt war.

Mai 2022 – GruKo neigt sich dem Projektende zu. Zahlen, Daten und Fakten zu den begleiteten Schulen, durchgeführten Terminen, Veranstaltungen und dem Einsatz von multiprofessionellen Teams werden erhoben. Was sind nun die Erkenntnisse aus dem kritisch beäugten Projekt?

Als Schulentwicklungsberater:innen wissen wir, dass gerade auch das Scheitern in einer lernenden Organisation wertvoll ist – wenn Erkenntnisse (Learnings) daraus gezogen und reflektiert werden. Dass dies auch bei GruKo stattfand, wissen wohl die Wenigsten.

Drei wesentliche Learnings seien hier hervorgehoben:

  1. Vor der Einführung von QMS im Jänner 2021 gab es Austauschrunden, initiiert von den Verantwortlichen von GruKo und QMS aus dem BMBWF. In diesen wurden Erfahrungen, Auswirkungen und Fails von GruKo angesprochen und aufgenommen. Vielleicht nicht angenehm für die Verantwortlichen, doch in jedem Fall wichtig und wertvoll, dass dies ehrlich, respektvoll und konstruktiv kritisch ausgesprochen wurde. So konnte QMS von den Erfahrungen von GruKo profitieren!
  2. Die zu GruKo verpflichteten Schulen erlebten Schulentwicklungsberater:innen, Expert:innen und Schulpsycholog:innen, die sie dort abholten, unterstützten und begleiteten, wo die Schulleitungen und Kolleg:innen dies als sinnvoll und nützlich erlebten. Das Vertrauen gegenüber externen Berater:innen und Expert:innen erlebte einen spürbaren Aufschwung!
  3. Der Einsatz von multiprofessionellen Teams in der Schulentwicklungsberatung wurde nachhaltig etabliert und ist noch immer daran, sich an den einzelnen Hochschulen weiterzuentwickeln und zu professionalisieren. So kann Schulentwicklungsberatung noch individueller und konstruktiver wirken!

Zum Schluss noch ein Fazit aus persönlicher Perspektive: GruKo hat auf der einen Seite das Vertrauen in das BMBWF nicht gestärkt – leider eher im Gegenteil. So werden alle darauffolgenden Projekte und Vorhaben mit Skepsis beäugt und mit Vorsicht an den Schulen aufgenommen. Ich denke, das ist mehr als nachvollziehbar.

Auf der anderen Seite ist es mir ein großes Anliegen, noch einmal den Blick auf Schulen als lernende Organisationen zu lenken – mit einem Appell an Sie, sehr geehrte Schulleitungen: Blicken Sie mit Skepsis und Intuition auf neue Dinge, schöpfen Sie aus dem Selbst-Bewusstsein Ihrer Schule und adaptieren, probieren und erkunden Sie im Kollegium neue Zugänge im Sinne Ihrer Schülerinnen und Schüler! Schulentwicklung kann viele Anlässe haben – was zählt, ist Ihre aktive Gestaltung.

Gerne stehen Ihnen die Schulentwicklungsberater:innen aller pädagogischen Hochschulen Österreichs mit Beratung und Begleitung zur Seite, damit auch Ihr Entwicklungsprojekt ein Erfolg wird!

Michaela Waldherr