THOMAS HANDSCHUH - Im Reich der Literatur.

Die Campus Bibliotheken

Die Campus Bibliotheken

„Ein leerer Bauch studiert nicht gern.“ Ein leerer Kopf allerdings auch nicht. Weiterbildung bedarf einer großen Menge an Input. Eine Hochschule ohne Bibliothek ist demnach undenkbar.

Das Angebot der Campus Bibliotheken der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule lässt diesbezüglich kaum Wünsche offen. Deren Bestand umfasst über 100.000 gedruckte Bücher, ungefähr 180 laufende Zeitschriften sowie eine Vielzahl an e-books und e-journals. Getreu dem Motto „Lesen und gelesen werden“ sind in den Lesesälen neben Nachschlagewerken, Lehr- sowie Schulbüchern auch Bachelorarbeiten der Hochschule in systematischer Freihandaufstellung zu finden. Bücher aus den Magazinen können per Mausklick online bestellt und im Handumdrehen zur Verfügung gestellt werden.

Den reibungslosen Ablauf diesbezüglich garantiert Thomas Handschuh. Der gebürtige Wiener studierte Geschichte an der Universität Wien, absolvierte einen Universitätslehrgang zum Bibliothekar, hinterließ in der Österreichischen Nationalbibliothek seine Spuren und ist seit September 2015 als Leiter der Bibliotheken an der KPH Wien/Krems tätig.

 

„Kleinere Bibliotheken sind familiärer.“

Während es in großen Bibliotheken „ein reines Spezialistentum“ gibt, liege der Vorteil bei kleineren Bibliotheken definitiv darin, diverse Aufgabenbereiche übernehmen zu dürfen. „Das ist familiärer und wesentlich abwechslungsreicher“, weiß Handschuh mittlerweile aus Erfahrung. Seine Hauptaufgabe an der KPH sei der Ankauf von Literatur – sowohl print als auch online – sowie die Verfügbarmachung selbiger über den Onlinekatalog. „Die Katalogisierung unserer Literaturbestände ist in leichten Fällen in zwei Minuten erledigt, kann bei kniffeligen Büchern aber auch bis zu 20 Minuten dauern“, verrät der Kaffee-Junkie, dessen Wecker täglich um exakt 6.12 Uhr klingelt.

 

Dann heißt es für den 35-jährigen Jung-Papa: „Schnell raus aus dem Schlafzimmer, um meine kleine Tochter nicht zu wecken, und nach einem schnellen Kaffee ab auf die Tangente.“ Seit der Corona-Pandemie fährt Handschuh fast ausschließlich mit dem Auto vom Laaer Berg nach Strebersdorf. Ein- bis zweimal pro Woche endet seine Arbeitsreise allerdings erst am Standort Krems. Beiderorts startet sein Workflow mit dem Checken und Beantworten von E-Mails. „Das nimmt seit Covid-19 meist 1-1,5 Stunden in Anspruch“, schildert Handschuh.

Im Gespräch

Es scheint, als hätte die Pandemie Ihren Arbeitsalltag stark verändert. Stimmt das?

„Seit einem Jahr ist vieles anders. Die Lesesäle sind mit einer kurzen Unterbrechung im Sommer und Herbst geschlossen und Beratungen finden ausschließlich online statt. Aber auch in dieser schwierigen Zeit sind wir stets bemüht, unseren Benutzer*innen bestmöglich entgegenzukommen, um sie mit ausreichend Literatur zu versorgen.“

 

Können Sie Covid-19 auch etwas Positives abgewinnen?

„Ohne Corona hätte ich im letzten Jahr bestimmt nicht so viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Vor allem abends bin ich nun immer zu Hause.“

 

Ihr Aufgabengebiet ist umfassend. Was beflügelt Sie neben Schulungen, der Rechercheunterstützung sowie der Betreuung der Homepage am meisten?

„Einer meiner liebsten Aufgabenbereiche ist die Vertretung unserer Bibliotheken im Österreichischen Bibliothekenverbund. Hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt, neue Services getestet und implementiert sowie Regelwerke erarbeitet.“

 

„Erasmus+ ist ein absolutes Highlight.“

Den Austausch mit Kolleg*innen aus ganz Österreich genieße Handschuh sehr: „Derartige Kontakte sind immer spannend.“ An der KPH arbeite er hauptsächlich mit Studierenden zusammen, die in „normalen“ Zeiten die Lesesäle und Arbeitsräume intensiv nutzen. „Engen Kontakt gibt es aber auch zu vielen Lehrenden, die das Angebot der Bibliotheken schätzen und uns bei der Literaturbeschaffung unterstützen und beraten“, verrät Handschuh dankbar. Als „absolutes Highlight“ bezeichnet er seine Besuche verschiedener Partnerschulen über Erasmus+.

 

Die Highlights zu Hause seien definitiv die täglichen Rituale mit seiner kleinen Tochter sowie die gemeinsame Zeit mit seiner Frau: „Wenn ich nach Hause komme, gehe ich fast täglich mit meiner Tochter spazieren. Im Anschluss wird gegessen, gebadet und ein Buch gelesen“, schildert der stolze Familienvater. Wenn das Töchterchen schläft, seien Brettspiele mit seiner Frau eine lieb gewonnene Routine: „Unser aktueller Favorit ist ‚Zug um Zug‘.“

 

„Ein Apfel in der Tasche.“

 

Klingt nach einem harmonischen Tagesrhythmus.

„Für mich ist jeder Tag ein guter Tag, solange wir alle gesund sind“, bestätigt Handschuh. Ob „an apple a day“ tatsächlich dazu beiträgt und den „doctor away keept“, könne er nicht beurteilen: „Aber fehlen darf der tägliche Apfel in meiner Tasche trotzdem nicht.“

 

Gibt es weitere Geheimnisse in Ihrer Tasche?

„Dafür ist in meiner Tasche kein Platz. Ich sammle seit inzwischen fast 30 Jahren Münzen“, verrät Handschuh. Das sei aber nicht sein einziges Hobby: „Wir gehen nicht erst seit Corona sehr viel spazieren.“ Zudem versuche er regelmäßig Sport zu betreiben: „Aktuell finde ich beim Radfahren und Laufen meinen Ausgleich. Vor und hoffentlich auch wieder nach Corona bei Fußball und Tischtennis.“ Auf die Frage, ob ein Bibliothekar auch Lesen zu seinen Hobbys zählt, folgt ein Schmunzeln: „Natürlich lese ich auch sehr gerne.“ Bücher dürften demnach neben Musik und Laufschuhen auch auf einer einsamen Insel nicht fehlen.

 

Apropos Insel. Haben Sie einen Lieblingsurlaubsort?

„Das ist definitiv Großbritannien. England, Schottland, Irland und Nordirland konnten wir bereits abhaken. Bei Wales hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber das wird schon noch.“

 

Worauf freuen Sie sich neben dem Reisen am meisten nach den Lockdowns?

„Ich habe eine sehr große Familie, die über ganz Österreich und auch darüber hinaus verstreut lebt. Normalerweise treffen wir uns mehrmals pro Jahr. Inzwischen habe ich aber viele meiner Verwandten seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Darauf freue ich mich schon sehr.“

 

Bis dahin darf Handschuh die Zeit mit seiner Frau, seiner Tochter und den beiden Samtpfoten, die seine Frau „als großer Harry Potter-Fan“ Ron und Hermine getauft habe, in seiner Wohnung am Laaer Berg genießen und von bevorstehenden Zukunftsplänen träumen: „Meine Frau und ich würden gerne in ein Haus mit Garten ziehen.“ Im Leben des ruhigen, aber humorvollen und manchmal vielleicht ein bisschen kindischen Bibliothekars, wie er sich selbst beschreibt, scheint Langeweile als Fremdwort zu gelten. Aber im Notfall gäbe es schließlich immer noch ein Buch…